Farben zählen zu den bedeutendsten ästhetischen und semantischen Elementen in der Kinderliteratur. Ihre Funktion beschränkt sich nicht nur auf dekorative Aspekte, sondern reicht weit darüber hinaus, da sie eine tiefgreifende psychologische und erzieherische Wirkung auf das kindliche Bewusstsein und dessen symbolisches Verständnis ausüben. Farben werden im kinderliterarischen Kontext nicht zufällig verwendet, sondern gezielt eingesetzt, um Bedeutungsebenen zu erschließen und die in der Erzählung enthaltenen Botschaften zu verstärken. Sie nehmen somit eine zentrale Rolle in der narrativen und visuellen Gestaltung kinderliterarischer Texte ein, da sie emotionale Reaktionen hervorrufen und innere Bilder beim jungen Leser erzeugen.
Die Studie stützt sich auf einen analytischen Ansatz, da sie auf einer ästhetischen und semantischen Analyse der Farbsymbolik in ausgewählten Kindergeschichten. Ziel ist es, die Wirkung von Farben auf die Vorstellungskraft des Kindes zuuntersuchen und ihre psychologischen, historischen und kulturellen Bedeutungen innerhalb des Textes zu erschließen. Analysiert wurden acht sorgfältig ausgewählte Geschichten aus einer Gesamtheit von zweihundert Märchen aus der Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, in denen Farben eine zentrale Rolle im Aufbau der Handlung und der Symbolik spielen.
Die Analyse zeigt, dass Farben nicht nur als schmückendes Element dienen, sondern als rhetorisches Mittel fungieren, das die Erzählstruktur unterstützt und moralisch-erzieherische Botschaften verstärkt. Dies verdeutlicht die tiefgreifende symbolische Dimension von Farben in der Kinderliteratur.